Der neue Gemeindebrief für das Frühjahr 2026 ist erschienen. Hier können Sie den kompletten Gemeindebrief herunterladen und lesen, was seit dem Erscheinen des letzten Gemeindebriefes alles geschehen ist, was für den Sommer geplant ist und worüber es sich eventuell nachzudenken lohnt.
Aus dem Inhalt: Die Lutherrose – Herkunft und Symbolik
Wird ihr Blick im Gottesdienstes auch manchmal zu den lichterfüllten Glasfenstern hingezogen? Zu den Bildern aus dem Leben Jesu in der Simeonskirche oder zu den Umrissen des Himmlischen Jerusalem in der Reformations-Gedächtnis-Kirche? Solche Darstellungen sind ja einer der vielen Wege, auf denen einem Gottes Geist nahekommt – im Goldgrund der Ikonen leuchtet einem sogar schon der Himmel entgegen. Bilder waren daher immer mehr als nur Abbilder einer alltäglichen Wirklichkeit, sondern voller Hinweise auf den tragenden Grund dieser Wirklichkeit; sie waren ein Angebot zu andächtiger, sich in sie vertiefender Betrachtung.
Vermutlich wanderte auch der Blick des Augustinermönchs Martin Luther immer wieder einmal zu den leuchtenden Glasfenstern, wenn er mit seinen Mitbrüdern die Messe in der Stiftskirche zu Erfürt feierte. Auf einem der erhaltenen Fenster, dem sogenannten Löwen- und Papageienfenster, kann man zwischen stilisierten Löwen – Sinnbild für Christus als den Löwen aus Juda – Rosenblüten erkennen. Die Rose wird als besonders edle Blüte häufig mit einer religiösen Symbolik verknüpft – etwa im Weihnachtslied „Es ist eine Ros entsprungen“. Die Annahme liegt nicht allzu fern, dass womöglich diese leuchtenden Rosenblüten Martin Luther zu andächtigem Nachdenken über Gott und den Weg zu ihm eingeladen haben. so dass er schließlich auf diese Anregung hin sein persönliches Rosensymbol mit allen geistlichen Bezügen entwickelt hat.
Viel später, 1530, hat er sich in einem Brief an den Nürnberger Humanisten Lazarus Spengler über die Symbolik geäußert – damals war ihm vom sächsischen Kurprinzen ein von einem Augsburger Goldschmied gefertigter goldener Siegelring mit der Lutherrose geschenkt worden. Ins Zentrum seiner Rosenblüte hat Luther ein rotes Herz gesetzt. Das Herz gilt ja als ein ganz besonderes Wahrnehmungsorgan, das einem die geistliche Welt eröffnet, einen Zugang zu ihr stiftet. Insofern bildet es ganz richtig den Mittelpunkt dieses auf die Person Luther und ihre Glaubensüberzeugungen zugeschnittenen Symbols. Denn im Mittelpunkt dieses Herzens wiederum steht ein schwarzes Kreuz, es ist dem Herzen, dem Organ des Glaubens, eingeschrieben – ganz wörtlich. Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus Christus dem Menschen Martin Luther, wie allen anderen auch, ein neues Leben mit Gott geschenkt – diese Glaubensgewissheit ist die Quelle des Lebens für ihn, sie macht sein Wesen aus, ist daher auch Zentrum des Luthersymbols. Die Rosenblätter um das Herz herum entsprechen denjenigen im Erfurter Glasfenster. Anders als die typischen Blütenblätter von Rosen sind sie weiß. Vielleicht hat sich Luther schon bei deren Betrachtung für eine bestimmte symbolische Bedeutung entschieden. Im erwähnten Brief hebt er jedenfalls die weiße Farbe hervor, die einerseits Farbe der Engel und himmlischen Geister ist und andererseits anzeigt, wie vom Herzensglauben Freude, Trost und Frieden ausstrahlen. Diese näher mit der Person Martin Luther verbundenen Elemente Glaube und Freude sind eingebettet in ein strahlendes Himmelsblau, das die Hoffnung und den Vorschein der himmlischen Freude ausdrückt, und gefasst in einen goldfarbenen Ring, der auf den überirdischen Bereich der schließlich erreichten Seligkeit verweist, in den alles eingeschlossen ist. Das Rosensymbol fasst sozusagen den ganzen Reformator Martin Luther in ein Bild: sein Vertrauen auf den Gekreuzigten, seine Hoffnung und seine feste Zuversicht, von der göttlichen Wirklichkeit umgeben und gehalten zu werden.
(Wilhelm Oppenrieder)